Thomas Kossendey

Der Mann, der Ihr Vertrauen verdient!

Thomas Kossendey
"Demokratie muss täglich neu geschützt werden"
Ansprache anlässlich der
Vereidigung der Soldaten auf Zeit und

des Feierlichen Gelöbnisses der Wehrpflichtigen der Marineunteroffiziersschule
am 12. Mai 2005 in Plön


  
 Ein wichtiger Tag im Soldaten-
leben: Thomas Kossendey beim
öffentlichen Gelöbnis in Plön.

Verehrte Damen und Herren,
Liebe Soldatinnen und Soldaten!

Heute ist ein wichtiger Tag in Ihrem jungen Soldatenleben! Sie – liebe Rekruten - stehen heute im Mittelpunkt dieses feierlichen Gelöbnisses.

Sehr herzlich begrüße ich auch die Eltern, Angehörigen, Freundinnen und Freunde unserer Gäste. Ich freue mich sehr, dass Sie uns heute die Ehre geben. Sie sind gekommen aus ganz persönlicher Verbundenheit zu einem der hier angetretenen Soldaten. Dadurch geben Sie diesem besonderen Tag im Leben eines jungen Soldaten einen würdigen Rahmen.

Liebe junge Soldatinnen und Soldaten,

Sie werden in wenigen Minuten geloben, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.
Ein solches Gelöbnis bedeutet viel. Hier gehen Sie öffentlich - jeder für sich - eine wichtige Verpflichtung ein. Sie verpflichten sich zum Schutz unseres Staates, seiner Werte, seiner gesetzlichen Grundlagen, seiner Existenz und seiner Interessen sowie dem Schutz seiner Bürgerinnen und Bürger.

Sie stehen somit an der Schwelle, an der Sie durch ein öffentliches Bekenntnis Verantwortung für unseren Staat und seine Menschen übernehmen. Generationen von jungen Soldaten haben vor Ihnen mit diesem feierlichen Gelöbnis und dem soldatischen Eid eine eigene Tradition der Bundeswehr als Streitkraft des Parlaments eines demokratischen Rechtsstaats begründet, auf die wir gemeinsam stolz sein dürfen.

  
Demokratie muss täglich neu
geschützt werden - das ist auch
die Aufgabe der Bundeswehr.

 
Mancher von Ihnen wird sich jetzt vielleicht fragen: "Warum ist der Dienst an der Waffe noch notwendig? Deutschland ist heute umgeben von Freunden und Partnern. Wir leben – Gott sei Dank - in der längsten Friedensperiode, die unser Land je erlebt hat, und jetzt sollen wir das Soldatenhandwerk lernen?!

Ich kann diese Frage verstehen, aber ich bitte Sie, einige wesentliche Ereignisse und Entwicklungen in den letzten Jahren nicht zu übersehen. Wer sich heute in Europa und in der Welt umschaut, der wird schnell feststellen: Menschenwürde, Demokratie und Freiheit sind immer wieder aufs Neue bedroht und müssen täglich neu geschützt werden. Globale Risiken wie Terrorismus, unkontrollierte Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Auswirkungen von Staatszerfall und regionalen Krisen- und Konfliktherden sowie organisierte Kriminalität machen nicht an den deutschen Grenzen oder an denen unserer Bündnispartner halt.

Ob in unserer Nachbarschaft auf dem Balkan oder Afghanistan und dem Irak, ob im Kongo, im Sudan oder am Horn von Afrika: An vielen Orten in der Welt können wir feststellen, dass Menschen anderen Menschen mit Gewalt und Terror drohen, ihnen die Menschenwürde entreißen und diese mit Füßen treten.

Ich möchte Ihnen diesen Zusammenhang noch einmal verdeutlichen: Erst seit dem Eingreifen von Soldaten auf dem Balkan konnte das grauenhafte Morden aus religiösen und ethnischen Gründen gestoppt werden – erst nach dem Eingreifen mit militärischer Kraft konnte in Afghanistan ein Anfang gemacht werden zu einem zivilen Miteinander. Die Bevölkerung – ich denke hier besonders an die Frauen – konnte von Drangsal und Unterdrückung befreit werden.

Deutschland und die Bundeswehr können bei diesen Aktionen nicht abseits stehen: Vor 15 Jahren erlebten wir den Glücksfall der Vereinigung in Frieden und Freiheit. Daher ist es für uns nicht allein eine moralische Pflicht im Rahmen der Bündnisse, denen wir angehören, mit dazu beizutragen, dass auch andere Völker Frieden finden. Es ist der Wille und der Wunsch in Deutschland vorhanden, mehr Verantwortung im internationalen Kontext zu übernehmen. Sie, meine lieben Soldatinnen und Soldaten, haben ihren Wehrdienst angetreten und leisten somit einen unverzichtbaren Beitrag für Frieden und Stabilität. Dafür verdienen Sie meinen Respekt, meinen Dank und meine Anerkennung.

  
Die Marine leistet
einen hervorragenden
Beitrag für Frieden
und Stabilität.

 
Die Deutsche Marine leistet für Frieden und Stabilität in enger Verbindung mit unseren Bündnispartnern einen hervorragenden Beitrag. Bei den internationalen Operationen „Enduring Freedom“ am Horn von Afrika und „Active Endeavour“ im Mittelmeer zum Beispiel. Hier beteiligt sich die Marine am Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Marine gewährleistet am Horn von Afrika die Sicherheit der Seewege und unterbricht Verbindungswege terroristischer Organisationen. Die unschätzbare Hilfe, die durch die Soldatinnen und Soldaten auf dem Einsatzgruppenversorger „Berlin“ bei der Flutkatastrophe in Süd-Ostasien geleistet wurde, ist uns allen noch in guter Erinnerung.

Wir machen damit deutlich: Wer den Frieden in Europa und auf der Welt schützen oder wieder herstellen will, wird nur dann ernst genommen, wenn er diesen Willen ernsthaft zum Ausdruck bringt und ggf. auch unter Beweis stellt. Mit dem heutigen Tage werden auch Sie einen Teil dieses wichtigen, ethisch wertvollen Dienstes für den Frieden und für die Menschenwürde im Rahmen der Bundeswehr übernehmen.

Daraus mag Ihnen deutlich werden: Auch in Ihren jungen Jahren müssen Sie „Ihren Mann“ oder „Ihre Frau“ stehen! Dennoch werden Ihnen manche Ihrer Alterskameraden kritisch gegenüberstehen. Manchmal werden Sie herausgefordert – lassen Sie sich dann bitte nicht provozieren! Zeigen Sie Selbstbewusstsein und Stolz, wo dies angebracht ist. Zeigen Sie aber auch Bescheidenheit und Einfühlungsvermögen dort, wo dies dazu beiträgt, Vorurteile und unsachliche Kritik abzubauen. Seien Sie sich immer bewusst: Sie leisten einen wichtigen Dienst für unser Volk und einen wichtigen Dienst für den Frieden – das ist ein ehrenvoller Dienst!

Unsere Verfassung, aufgrund derer Sie Ihren Dienst hier leisten, bestimmt die Wehrpflicht als Norm. Sie lässt aber auch im Einzelfall die Verweigerung dieses Dienstes mit der Waffe aus Gewissensgründen zu. Wer davon Gebrauch macht, dem gestehen wir für seine ehrliche Gewissensentscheidung die Ernsthaftigkeit zu.

Aber auch der Wehrdienstleistende - und das dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren - lässt sich bei seiner Entscheidung vom Gewissen leiten. Ja, ich möchte sogar sagen: Ihr Dienst in der Bundeswehr unterscheidet sich von jeder anderen Pflicht, die unser Staat seinen Bürgern auferlegt. Sie geloben nämlich in letzter Konsequenz, im Einsatzfall Ihre eigene Gesundheit und Ihr Leben für unser Land einzusetzen.


 
Der Dienst bei der Bundes-
wehr darf nicht als vergeu-
dete Zeit empfunden werden.


Aus dieser ganz besonderen Pflicht des Soldaten ergibt sich aber auch eine besondere Verantwortung des Staates gegenüber den Soldaten und ihren Familien, aber auch gegenüber der Bundeswehr insgesamt:

–    Zum einen müssen Sie sich darauf verlassen können, dass unsere Außen- und Sicherheitspolitik berechenbar bleibt. Sie muss vorausschauend und bündnisfreundlich sein und vor allen Dingen auf den Frieden gerichtet! Ich sage Ihnen: Darauf können Sie sich verlassen!

–    Zum anderen muss die Bundeswehr aber auch – unabhängig von den Geldnöten, in denen alle öffentliche Haushalte im Augenblick stehen – die Mittel erhalten, die sie braucht, um die Verpflichtungen, die wir eingegangen sind, auch wirklich erfüllen zu können. Hier besteht meines Erachtens durchaus noch Nachbesserungsbedarf.

–    Darüber hinaus halte ich es aber auch für sehr wichtig, dass die Politik sich intensiv darum kümmert, dass der Dienst, den Sie leisten, sinnvoll und effektiv gestaltet wird, damit Sie möglichst viel Wissen und Erfahrung aus diesem Dienst mitnehmen. Ihr Dienst bei der Bundeswehr – und da spreche ich insbesondere die Wehrpflichtigen an – darf nicht als vergeudete Zeit empfunden werden, sondern als wichtiger Beitrag zur Erfüllung der Aufgaben, die die Bundeswehr hat.

Für dieses Ziel sind Sie in den letzten Wochen intensiv ausgebildet worden. Langfristig wird dieses Ziel aber nur dann erreicht werden, wenn alle daran Beteiligten vertrauensvoll zusammenarbeiten. Deswegen gestatten Sie mir auch einige Worte an Sie, die Vorgesetzten dieser jungen Rekruten: Leben Sie den jungen Soldaten die Tugenden vor, auf die sie heute vereidigt werden! Zeigen Sie ihnen, dass Sie ihre Rechte achten, die Pflichten des Soldatengesetzes überzeugend im täglichen Alltag vorleben, dann werden sich die jungen Soldaten diese Pflichten umso leichter zu Eigen machen.

Junge Menschen von heute sind sehr wohl begeisterungsfähig und bereit zur Leistung, wenn sie den Sinn ihres Tuns erkennen, Verantwortung spüren und Eigeninitiative entfalten können! Lassen Sie die Ihnen anvertrauten Soldaten spüren, dass sie nicht nur Nummern in einem anonymen Räderwerk sind, sondern dass sie in erster Linie Kameraden und Menschen sind, die Sie ernst nehmen und achten!

Stellen Sie sich Ihren Soldaten, auch wenn dieses manchmal unbequem ist. Nur so werden sich langfristig die Klagen über die Kühle in unseren Streitkräften von selbst erledigen! Das Vertrauen, dass Sie in Ihre Soldaten setzen, schafft auch Vertrauen Ihnen selbst gegenüber.

Ihre Vorgesetzten – und da wende ich mich wieder an Sie, die Sie heute vereidigt werden – haben aber genau so Anspruch auf Respekt, Vertrauen und Kameradschaft von Ihrer Seite aus! Nur so können wir ein gesundes Klima in der Bundeswehr schaffen, das geprägt ist von Verantwortungsbewusstsein und Kameradschaft.

Ihnen, meine jungen Soldaten, wünsche ich Befriedigung und Erfüllung bei Ihrem Dienst in der Bundeswehr, auch dann übrigens, wenn es Tage gibt, an denen Sie eine solche Erfüllung wegen des konkreten Dienstes nicht immer erkennen mögen. Ich möchte Ihnen aber auch wünschen, dass die Zeit in der Bundeswehr ein wichtiger und wertvoller Teil Ihrer Lebenserfahrung werden möge. Für Ihren engagierten Dienst in den nächsten Monaten danke ich Ihnen schon heute im Namen des gesamten Verteidigungsausschusses von ganzem Herzen!