"Sehr geehrter Herr Minister,
Sehr geehrter Herr Botschafter Acet,
Sehr geehrte Exzellenzen,
Sehr geehrter Herr Gök,
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, Meine Damen und Herren!
Zu unserem diesjährigen traditionellen IFTAR-Essen möchte ich Sie herzlich begrüßen! Es freut mich sehr, dass wir heute bereits im dritten Jahr auf Einladung der World-Media-Group AG hier in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft zusammenkommen, um gemeinsam den Moment des Fastenbrechens zu begehen.
Im anregenden Gespräch (v.l.n.r.): Mustafa Yesil
(Vorstandsvorsitzender World Media Group AG),
Mustafa Altas (World Media Group AG) und
Thomas Kossendey.
Das Fasten ist die dritte von fünf Säulen im Islam. Der Gläubige will damit Gottes Anerkennung finden; dafür nimmt er Härten und Entbehrungen auf sich. Dies verdeutlicht auch das Wort „Ramadan“, das abgeleitet ist von „Ramadhaa“, was soviel wie Hitze, Ruhelosigkeit und Härte beschreibt. Es gibt verschiedene Bedeutungen von „Ramadan“: Es kann „Verbrennen“ oder „Schmelzen“, zugleich aber auch „Strömender Regen“ besagen, wodurch der Fastende von seinen Sünden gesäubert wird. Es geht in dieser Zeit nicht nur darum, auf leibliche Genüsse zu verzichten; vielmehr sollen die Gläubigen lernen, auch einmal die Ruhe zu bewahren, innezuhalten von der Hektik des Alltags, geduldig und gütig zu sein und Mitgefühl zu entwickeln für die Schwachen und Armen der Gesellschaft. Damit geht es nicht nur um die Reinigung, sondern auch Vermeidung neuer Sünden in der heiligsten Zeit des Jahres.
Der Moment, in dem das Fasten unterbrochen wird, wird traditionell mit Familienmitglieder und Freunden verbracht. Vor diesem Hintergrund freut es mich umso mehr, dass wir dieses besondere Ereignis erneut in diesem Rahmen begehen!
Wer aufmerksam durch die Straßen Berlins, Kölns, Stuttgarts oder anderer großer Städte unseres Landes geht, dem wird spätestens dann ganz bewusst, dass die türkischstämmigen Bürgerinnen und Bürger längst ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft sind. Rund 2,7 Mio. Menschen türkischer Herkunft leben in Deutschland - teilweise schon in der dritten Generation. Sie gehen hier zur Schule, absolvieren eine Ausbildung oder ein Studium, gehen Arbeiten und gründen Familien. Viele haben die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Umso mehr verwundert es, dass zwischen dem deutschen und dem türkischstämmigen Teil der Bevölkerung noch immer Berührungsängste und gegenseitige Vorurteile bestehen.
Bei der Übergabe eines Präsentes (v. l. n. r.):
Fatih Gök (Vorstandsmitglied World Media Group AG),
Thomas Kossendey und Cimen Tansu-Keller
(Mitarbeiterin von Thomas Kossendey im
Bundesverteidigungsministerium).
Dies betrifft zum einen die in Deutschland lebenden Türken, die sich teilweise vom Rest der Gesellschaft zurückziehen und sich in unserem Land nicht immer willkommen fühlen. Auf der anderen Seite haben viele Deutsche noch immer ein Gefühl der Fremdheit gegenüber ihren türkischen und türkischstämmigen Mitbürgern.
Um dem entgegenzuwirken und die Integration der in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten voranzutreiben, hat die Bundesregierung umfassende Maßnahmen ergriffen. So trägt beispielsweise der Nationale Integrationsplan der Bundesregierung bereits erste Früchte. Ein großer Teil der Maßnahmen und Selbstverpflichtungen, welche Bund, Länder und Kommunen, aber - und das ist ganz entscheidend für den Erfolg der Bemühungen - eben auch Vertreter der Bürgergesellschaft und der Migranten eingegangen sind, wurde bereits umgesetzt. Im November soll eine erste offizielle Bilanz gezogen werden.
Nicht zu unterschätzen sind für das Miteinander zwischen Türken und Deutschen in Deutschland aber auch die traditionell guten bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland.
Unsere beiden Länder verbindet seit jeher eine vertrauensvolle Partnerschaft. Leider gibt es in Deutschland wie in der Türkei eine grundlegende Skepsis im Hinblick auf die Bewertung der bilateralen Beziehungen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach über deutsch-türkische Stimmungsbilder aus dem Jahr 2006, laut der nur 23 Prozent der Deutschen und 33 Prozent der Türken die bilateralen Beziehungen als gut bezeichnen. Die Vorbehalte sind nach Ansicht der Autoren vor allem auf das Empfinden der Fremdheit und Verschiedenheit in grundsätzlichen Fragen zurückzuführen, wofür in hohem Maße das Wissensdefizit auf beiden Seiten über das jeweils andere Land verantwortlich gemacht wird.
Dies sollte uns zu denken geben und zeigt uns vor allem eines: Es ist unerlässlich, dass Deutsche und Türken die Kultur, Geschichte, Tradition, Religion und Mentalität des jeweils anderen besser kennenlernen. Warum? Weil dies für das friedvolle Miteinander von Türken und Deutschen in Deutschland, aber auch für die bilateralen Beziehungen unserer beiden Länder eine ganz entscheidende Rolle spielt. Nur wer den anderen kennt, kann Gemeinsamkeiten entdecken, Unterschiede hingegen verstehen und akzeptieren. Damit ist Kultur vielleicht die wirksamste und mächtigste Brücke für die gegenseitige Verständigung.
Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(links) war erneut zu Gast, hier im Gespräch mit
Arkan Herdas (Redakteur der Zeitschrift Zukunft).
Nirgendwo wird der Charakter eines Staates und die Vielfalt seiner Menschen so deutlich wie im Bereich der Kultur, der Kunst, Literatur, Musik und im Film. Aus diesem Grund kann den deutsch-türkischen Kulturbeziehungen, aber auch gemeinsamen kulturellen Veranstaltungen von Türken und Deutschen gar nicht genug Bedeutung beigemessen werden. In diesem Bereich wird bereits viel getan - beispielsweise ist die Türkei in diesem Jahr sowohl Partnerland auf der Popkomm als auch Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Dies ermöglicht es namhaften türkischen Künstlern, Musikern und Literaten, sich einem breiten Publikum zu präsentieren und ihr Land vorzustellen. Diese Bemühungen müssen unbedingt weiterverfolgt und sogar noch intensiviert werden!
Den heutigen Abend sehe ich als einen wichtigen, vor allem aber auch schönen Beitrag für dieses Ziel, denn auch Religion ist Teil des kulturellen Erbes eines Landes.
In diesem Sinne danke ich Ihnen allen für Ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung und Ihren Beitrag zu weiterhin guten und fruchtbaren Beziehungen zwischen Türken und Deutschen und wünsche:
Ramazanınız mübarek olsun!"