Sehr geehrte Damen und Herren,
verehrte Frau Hildebrandt,
verehrte Frau Dr. Babst!
Für mich bedeutet es Bedürfnis und Freude zugleich, am heutigen Tag aus dem Bundesministerium der Verteidigung in der Stauffenbergstraße zu Ihnen in das Mauer-Museum in die Friedrichstraße gekommen zu sein.
Beide Orte, der Bendlerblock – heute einer der beiden Dienstsitze des Verteidigungsministeriums – und der Checkpoint Charlie, sind von hoher Symbolkraft für die jüngere deutsche Geschichte.
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Beide Orte werden in Verbindung gebracht mit der Liebe zur Freiheit, dem Widerstand gegen Totalitarismus und dem Gedenken an Opfer, die ihre Sehnsucht nach Freiheit und Befreiung mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Beide Orte beherbergen heute Ausstellungen, die für Berlin unverzichtbar sind und sich national wie international einer großen Aufmerksamkeit erfreuen.
Vor diesem Hintergrund halte ich die Idee, hier im Zentrum Berlins, unmittelbar an der ehemaligen Demarkationslinie zwischen Ost und West, eine Ausstellung zur Geschichte der NATO zu etablieren, für richtig und begrüßenswert.
Vor fast auf den Tag genau 50 Jahren – weniger als ein heute durchschnittliches Menschenalter – standen sich an dieser Stelle amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber.
Für eine Dauer von 16 Stunden – eine Ewigkeit für die Berliner auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, aber auch für die besorgte Weltöffentlichkeit – drohte mitten in Berlin eine erneute militärische Eskalation, die – wie Sie wissen – glücklicherweise ausblieb.
Vor drei Tagen haben Sergej Chruschtschow, Sohn des zur Zeit der Berlin-Krise amtierenden sowjetischen Regierungschefs Nikita Chruschtschow, und Charles Clay, Enkel des damaligen US-Militärgouverneurs Lucius D. Clay, am Checkpoint Charlie eine Gedenktafel enthüllt.
Diese erinnert an die damals höchst brisante Situation. Aus meiner Sicht sollte sie uns jedoch auch Mahnung sein, Konflikte möglichst mit Hilfe kluger Politik, Diplomatie und Verständnis für die Interessen der anderen Seite zu lösen.
Heute befinden wir uns in einem freien Berlin, der Hauptstadt eines freien Deutschlands, das Teil eines Europas ist, in dem sich Freiheit und Demokratie insbesondere während der vergangenen 20 Jahre rasant ausgebreitet haben.
All dies war 1949, als die NATO gegründet wurde, nicht abzusehen. Dennoch hat das transatlantische Bündnis zweifelsohne einen erheblichen Beitrag für eine in der Geschichte nie dagewesene Stabilität auf dem europäischen Kontinent geleistet.
Die Aufnahme der jungen Bundesrepublik in die NATO im Jahre 1955 verstehe ich auch als eine Handreichung der Versöhnung seitens unserer heutigen Partner westlich des Rheins und auf der anderen Seite des Atlantiks.
Nach Zerstörung und Gräueltaten, die das nationalsozialistische Deutschland in Europa anrichtete, war dieser Schritt keineswegs eine Selbstverständlichkeit.
Für die junge Bundesrepublik bedeutete die NATO-Mitgliedschaft ein hohes Maß an Sicherheit, der unverzichtbaren Grundlage für Freiheit und Wohlstand, und Integration in die westliche Wertegemeinschaft.
Diese Mitgliedschaft entwickelte sich zum Erfolgsmodell, denn sie verhindert eine militärische Auseinandersetzung auf deutschem Boden.
Über viele Jahre hinweg konnte die Bundesrepublik das Verhältnis zu ihren alliierten Partnern stetig verbessern und noch vorhandenes Misstrauen kontinuierlich abbauen, Sie konnte sich emanzipieren.
Die Zugehörigkeit zur NATO und die damit verbundene tiefe Freundschaft zu den Vereinigten Staaten von Amerika wurden zu unserem unverzichtbaren Fundament für Frieden und Freiheit.
An dieser Stelle möchte ich an den maßgeblichen Beitrag erinnern, den der damalige US-Präsident George Bush (Senior) für das Zustandekommen der deutschen Wiedervereinigung leistete.
Daher war es ein logischer Schritt des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, sich auch für eine NATO-Mitgliedschaft nach der deutschen Wiedervereinigung stark zu machen.
So wie er als junger Mann und Anhänger der Politik Konrad Adenauers nach dem Zweiten Weltkrieg die Relevanz der deutsch-französischen Aussöhnung richtig deutete, sah er die Bedeutung einer seit dem 3. Oktober 1990 souveränen Bundesrepublik für das Bündnis voraus.
Nun – viele Jahrzehnte nach der Aufnahme der Bundesrepublik in die NATO und im Sinne der Fortführung der Entspannungspolitik Willy Brandts – war das wiedervereinigte Deutschland an der Reihe, die Hand der Versöhnung nach Ost- und Südosteuropa auszustrecken.
Wie Sie wissen, folgten mehrere Schritte zur Erweiterung der Allianz. Zuletzt wurden im Jahre 2009 Albanien und Kroatien aufgenommen.
Heute besteht die NATO aus 28 Mitgliedern, und sie unterhält zu 37 weiteren Staaten partnerschaftliche Beziehungen.
Dabei ist die Partnerschaft mit Russland von herausragender Relevanz, für das Bündnis und für Deutschland. PSts Thomas Kossendey, Alexandra Hildebrandt, Witwe des Historikers und Gründers Rainer Hildebrandt, Dr. Stefanie Babst, Acting Assistant Secretary General for Public Diplomacy, NATO
Wir erinnern uns stets dankbar, dass der damalige sowjetische Regierungschef Michail Gorbatschow großen Anteil am Fall der Berliner Mauer hatte, und setzen uns daher nachhaltig für die Verbesserung der NATO-Russland Beziehungen ein.
Es ging keineswegs um ein bloßes Verschieben einer Demarkationslinie in Richtung Osten. Nein, es ging vielmehr um vertrauensbildende Maßnahmen, Transparenz und Kooperation.
Heute sitzen die NATO-Partner und Russland im NATO-Russland-Rat auf Augenhöhe an einem Tisch. Politische Abstimmung und militärische Kooperation in der Praxis sind lange keine Fremdwörter mehr.
Für die Bundesrepublik sind die Veränderungen seit der Wiedervereinigung von zentraler Bedeutung.
Deutschland ist vom Rand in die Mitte der Allianz gerückt. Wir sind heute umgeben von Partnern und Freunden.
An ihrer Peripherie trägt die NATO durch eine Vielzahl von Maßnahmen und Initiativen zur Stärkung der Stabilität bei.
Dass die Allianz auch heute noch das global wichtigste militärische Bündnis ist, verdankt sie ihrer Fähigkeit, sich stets an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
Die Allianz lebt, und immer wieder wurde ihre strategische Konzeption angepasst, zuletzt im vergangenen Herbst beim Gipfel in Lissabon.
Die aktuellen und künftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen sind vielfältiger und nach meiner Einschätzung auch unkalkulierbarer als in der Vergangenheit.
Ich bin überzeugt, dass die NATO auch künftig einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit Deutschlands, Europas und darüber hinaus leisten wird.
Die NATO ist nicht immer unkompliziert, dissensfrei und von unerschütterlicher Einheit. Aber sie ist von außerordentlicher Modernität, Vitalität und Effektivität.
Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen für die kommenden Monate, in denen Sie Ihre Ausstellung zur Geschichte der NATO zum Leben erwecken, von Herzen alles Gute wünschen.
Das Thema ist spannend und von historischer Dimension, aber auch in einem Höchstmaß aktuell.
Ich bin davon überzeugt, dass Sie mit einem hohen Besucherinteresse rechnen dürfen. Bereits heute möchte ich mich, liebe Frau Hildebrandt, als einer der ersten Interessenten für einen Besuch anmelden.
Liebe Frau Dr. Babst, ich freue mich, dass Sie den weiten Weg aus Brüssel nicht gescheut haben, um heute in unserem Kreise zu sein, und bin gespannt auf Ihre Ausführungen.