Thomas Kossendey

Der Mann, der Ihr Vertrauen verdient!

Thomas Kossendey
Ein Tag wie kein anderer – also alles wie immer
Das war meine Erwartung und damit lag ich goldrichtig. Langfristige Termine, über ein Jahr im voraus, stehen im Kalender und doch ist noch nicht einmal der aktuelle Tag morgens planbar. Stau auf der Autobahn? „So etwas müssen Sie einfach mit Humor nehmen, Herr Janssen!“ Eine Besuchergruppe hat mehr Fragen auf dem Herzen als gedacht? Dann muss die Post warten. Plötzliche Besprechung im Verteidigungsministerium? Das hat Priorität.

Aber von vorne. Im September 2009 gab es eine Nachbarschaftsgrillparty in Oldenburg, zu der sich Herr Kossendey und seine Frau angekündigt hatten. Nach dem Essen wollten wir alle etwas über ihn und seine Politik erfahren und er gab uns bereitwillig Auskunft. Nach einigen Fragen über den Jade-Weser-Port und dem damit verbundenen Ausbau von Bahnlinien und dem Lärmschutz, entwickelte sich ein Zwiegespräch zwischen ihm und mir über den Tanklaster-Angriff in Afghanistan, bei dem ich mich ein bisschen fühlte wie Frank Plasberg bei „hart aber fair“. Als er uns dann fast eine Stunde später als geplant verlassen musste, fragte er mich: „Haben Sie Lust, ein Praktikum bei mir zu machen?“  Ja, ist der Papst katholisch?

Am ersten Juni 2010 ging es dann los im Berliner Abgeordnetenbüro, in dem mich Frau Schölzel und Herr Haustedt empfingen. Nach einer „kleinen“ Hausführung fühlte ich mich wie im Labyrinth: Büros, Tunnel und Brücken, Plenarsaal und Kuppel, Fraktionssitzungssaal und Bibliothek – ich hätte am liebsten angefangen Brotkrumen auf den zurückgelegten Weg zu werfen.
Ich erspare Ihnen/Euch eine Komplettbeschreibung, denn sie wäre einfach zu lang. Aber es gab Höhepunkte – und einen ganz besonderen greife ich hier einmal heraus.

Und zwar Montag den 14. Juni 2010, an dem mein Tag nicht in Berlin, sondern in Bad Zwischenahn beginnt. Der aufmerksame Leser weiß natürlich sofort, dass ich mich im Wahlkreisbüro des Staatssekretärs befinde, in dem mich Frau Ries willkommen heißt. Gut gelaunt erscheint Herr Kossendey kurz darauf und witzelt wie gewohnt als er mit Frau Ries die Post durchgeht. „Leider kann ich nicht alle Einladungen annehmen,“ sagt er mit erhobenen Augenbrauen, während er einen Flyer zuklappt, der eine Terminkollision verursacht hätte und klappt einen neuen auf. „Hab ich an dem Tag noch Zeit?“ Eigentlich sei der Tag voll, ob sie es in der Mittagszeit dazwischenschieben solle? Ich bemerke, wie beide harmonieren, ein eingespieltes Team und frage nach. „Wir haben schon meinen ersten Wahlkampf zusammen geführt,“ bestätigt mir Herr Kossendey.

Auf zum ersten Termin. Begehung des ehemaligen Bundeswehrklinikgeländes am Zwischenahner Meer. Es wird ein geeigneter Standort für eine psychologische Nachbehandlung traumatisierter Soldaten gesucht und da ist dieser Ort ideal. Die Athmosphäre ist locker-dienstlich, sehr angenehm wie ich finde, als ein Landrat uns mit einer Landkarte die Situation und Möglichkeiten für die Nutzung des Geländes erklärt. Außerdem hat sich unsere Gruppe um eine weitere Abgeordnete, die auch im Verteidigungsausschuss sitzt, den Zwischenahner Bürgermeister und einen Militärpsychologen erweitert. Zwischendurch werden Interessens- und Verständnisfragen gestellt, die der Landrat ausführlich beantwortet. Er ist gut informiert, kennt das Gelände sehr gut und stellt es geschickt an, seine Zuhörer von der Eignung des Platzes zu überzeugen. Insgesamt ist es für mich eine andere Seite von Politik, als ich sie bisher kannte. Konstruktiv ziehen alle Beteiligten an einem Strang, gleich welcher Partei. Ein Miteinander, statt des Gegeneinanders, das man aus den Debatten im Plenum kennt. Ich schiebe das aber auch darauf, dass der Platz wirklich sehr schön ist, mit Seeblick, und damit gut für Erholung geeignet scheint.

Eine anschließende Besprechung der Gruppe in einem Tagungsraum behandelt mehr die Hintergründe. Wie groß wird die Einrichtung? Wie wird sie finanziert werden? Gibt es weitere, vielleicht zivile Nutzungsmöglichkeiten? Auch eine Partnerschaft der Einrichtung mit einer zivilen Einrichtung nach Modell der Ammerlandklinik in Westerstede wird in den Raum gestellt. Für jeden gibt es Schnittchen mit frischem Fisch, Mett und Camembert – sehr lecker – und auch wichtig, denn Zeit meine nächste Mahlzeit werde ich erst heute Abend zu mir nehmen. Der Landrat stellt sich derweil noch einigen Fragen und teilt sein Wissen mit uns. Nun herrscht wirklich Konsens, dass der Standort in die engere Auswahl aufgenommen wird.

Der Landrat und der Bürgermeister verabschieden sich und ich komme kurz mit letzterem ins Gespräch. Als wir eine Straße entlanggehen sehe ich, dass die Leute ihn kennen und er bestätigt, dass er viel in der Öffentlichkeit unterwegs ist, bevor er davonradelt. So habe ich mir einen Bürgermeister vorgestellt!

Der Militärpsychologe trägt nun der verbliebenen Gruppe sein Anliegen vor. Er schildert seine Eindrücke aus Afghanistan, wo er mehrmals war und vor Ort Soldaten betreut hat. Eindrucksvoll eröffnet er neue Perspektiven des Einsatzes, über die ich vorher nicht so stark nachgedacht habe: Seelische Probleme der Soldaten nach dem Kriegseinsatz. Unter dem Strich nehme ich aus dem Gespräch mit, dass auf diesem Gebiet noch viel getan werden muss. Nicht, dass die Verantwortlichen nicht sensibilisiert seien, sondern eher, dass die Streitkräfte aufgrund der neuen Situation erst Erfahrungen sammeln und auswerten müssen. Interessant ist nun die Rolle von Herrn Kossendey, der diese Erfahrungen jetzt mit dem Ministerium zusammen in Veränderungen und Verbesserungen umsetzen wird.

Nächste Etappe ist jetzt die Autobahn. Das Auto ist ein fahrendes Büro mit Autotelefon, Fax und Internetticker für aktuelle Informationen. Vier Stunden stehen auf der Uhr, vier Stunden in denen ich mich frei mit Herrn Kossendey und der anderen Abgeordneten unterhalten kann. Tagespolitik und die Bundeswehr sind Hauptthemen, aber auch ihre Politikkarriere als Quereinsteigerin besprechen wir ausführlich. Besonders interessant sind natürlich auch die Gespräche zwischen den Abgeordneten, die hier „unter uns“ nicht auf jedes einzelne Wörtchen achten müssen und deshalb sowohl kleine Details als auch eigene Einschätzungen preisgeben. Herr Kossendey arbeitet während der Fahrt, er führt Telefongespräche über das Autotelefon und gibt mir zwischendurch interessante Artikel aus der Presseschau nach hinten. „Mein Job bringt es mit sich, dass ich viel wissen muss!“ Ich schaue mir den Unterarmdicken Papierstapel an und bin zum ersten Mal froh, dass ich „nur“ Praktikant bin, denn Herr Kossendey fährt gleich weiter zu einem Termin ins Verteidigungsministerium und ich - ich mache für heute Feierabend.