Thomas Kossendey

Der Mann, der Ihr Vertrauen verdient!

Thomas Kossendey
Einblicke in den Alltag eines Bundestagsabgeordneten
Einen Monat lang an den Schalthebeln des Staates, in den Gebäuden und auf den Gängen, wo Politik wie ein Handwerk produziert wird,  ein „sich-herein-Denken“  ins Politikgeschäft, die Parteizugehörigkeit, die Christlich Demokratische Argumentation- soweit meine Vorstellung vom Praktikum im Bundestag. Nach vier Wochen kann ich sagen- es war anders, aber nicht untertrieben.
Es ist nicht so, dass man im Büro des Verteidigungsstaatssekretärs zur Arbeit kommt, sich um eine Weltkarte schart und Militärstrategien plant wie bei Risiko- aber es ist auch nicht so, dass man Kaffee kochen muss oder acht Stunden am Tag kopieren geht. Es sei denn, es wird Besuch erwartet.
Politik ist ein Handwerk. Ein ständiges Sammeln von Informationen, Aufbereiten von Fakten,  Kategorisieren von wichtigen und unwichtigen Terminen, Anfragen, Werbebroschüren, ein Kurzschließen mit dem Büro im Wahlkreis, mit der Fraktionsspitze, der Presse , den Juristen,  nicht zu vergessen Herrn Kossendey selbst.
Wie genau sieht das im Alltag aus? Das Leben der Abgeordneten- und deswegen auch das Leben im Büro- teilt sich in zwei abwechselnde Rhythmen: Die Sitzungswochen und die sitzungsfreie Zeit.

Das Jakob- Kaiser- Haus ohne seine Abgeordneten

Während der sitzungsfreien Wochen ist es ruhig im Jakob- Kaiser Haus.  Die Politiker und Politikerinnen sind in ihren Wahlkreisen unterwegs oder in ihren Ministerien beschäftigt, leisten Vorarbeit. Thomas Kossendey ist in Oldenburg und im Ammerland, trifft Bürger, Verbände, Vereine, gemeinnützige Organisationen und ortsansässige Unternehmer und  rückversichert sich so der Interessen seiner Wähler. Er verbringt Zeit in Berlin, in seinem dritten Büro im Ministerium für Verteidigung. Nebenan, im selben Parlamentsviertel sitzen wir, das Bundestagsbüro. Und der Laden brummt!!
„Ich hab bereits mit dem Polizei und Sicherungsdienst gesprochen, es geht um die Besuchergruppe, die am 26. den Bundestag besucht“, fragt Karina Schölzel am Telefon. „ May, kannst du mir einen Gefallen tun? Hier  gab es eine Anfrage, kannst du mal über den Ticker nachschauen, ob du irgendwas zu „Rauchen am Steuer“ findest?“ Das ist Nicolas Haustedt aus dem Zimmer nebenan. „Es gab doch mal so eine Debatte darüber... Auch Gesetzestexte bitte, findest du direkt auf der Seite des Verkehrsministeriums.  Straßenverkehrsordnung, genau.“
Frau Schölzel und Herr Haustedt sind neben Frau Griesbach Thomas Kossendey’s Mitarbeiter im Berliner Büro. Sie beide sorgen dafür, dass der MdB immer zur Richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Und das Richtige sagen kann, weil er eben umfassend informiert ist. Das Rückgrat der Politik. In den sitzungsfreien Wochen war ich einer der  Wirbel.
Post holen. Aufmachen. Überfliegen und vorsortieren. Die Presseschau zu Herrn Haustedt, der dann die wichtigsten Nachrichten an Herrn Kossendey weiterleitet. Einladungen? Zu Frau Schölzel, mit Datenstempel versehen. Alles Weitere in die Postmappe. Printmedien stapeln sich auf dem Schreibtisch wie der Turm zu Babel:  ADAC Motorwelt, Infomagazin der Ems Dollart Region, Taiwan heute,  Schiff und Hafen,  loyal- Magazin für Sicherheitspolitik, Berliner Morgenpost und Jüdische Allgemeine.
Wenn die Post abgearbeitet ist, geht es an die Internetrecherche. Was haben die Nachrichtenagenturen seit gestern morgen zum Thema „Türkei“ gebracht? Ist Thomas Kossendey in irgendeinem Zeitungsartikel erwähnt worden? Meine Ergebnisse werden mit Herrn Haustedts Pressezusammenstellung rübergefaxt. Über den Tag  hinweg gibt es immer wieder Möglichkeiten, wie ich helfen kann. Sei es, eine Email zu beantworten oder eine Pressemitteilung vorzuschreiben, den Koalitionsvertrag durchzuforsten oder im Internet auf Schnitzeljagd nach einer bestimmten Statistik zu gehen.
Wenn es für mich nichts zu tun gibt, schaue ich einfach meinen Kollegen „auf Zeit“ zu und bekomme so einen Eindruck von den komplexen Organisationsstrukturen, mit denen sie beschäftigt sind. Ich verlaufe mich noch ab und an im Haus, bin froh, wenn ich zum Mittagessen in die Mensa finde, die hier „Kasino“ heißt. Da ist es schön, von Profis zu lernen und unter ihre Fittiche genommen zu werden. Die beiden gehen sehr auf mich zu, organisieren dieses oder jenes Event, je nach Interesse, eine Lesung von Richard von Weizsäcker oder eine Führung durch die ARD.  Ich soll vor allem mit guten Erfahrungen aus der Zeit in Berlin gehen. Und das ist geglückt.

Die Sitzungswoche

Das Jakob- Kaiser- Haus, mit all seinen Abgeordnetenbüros, sieht anders aus in den Sitzungswochen. Die Mitarbeiterinnen haben ihre Pullis mit schwarzen Blazern getauscht. Die Mitarbeiter tragen Krawatte. Und sowieso sind viel mehr Menschen auf den Gängen, in den Straßen um das Parlament und des Abends auch in den umliegenden Hotels. Klassenfahrtsfeeling kommt auf. Von Zeit zu Zeit kommt ein alter Bekannter ins Büro und erzählt die neusten Späße und Gerüchte aus der Fraktion und Politik.  Abends sind Kulturveranstaltungen und ähnliche Events, auf denen man sich trifft. Und tagsüber wird getagt. In Plenarsitzungen, Fraktionssitzungen, Ausschüssen, überall eigentlich. Theoretisch könnte ein MdB von Morgens 9 Uhr bis abends kurz vor Mitternacht in den Sitzungssälen verbringen. Theoretisch könnte ich das auch.
Wie sieht es praktisch aus? Am Dienstag ist Fraktionssitzung der CDU. Schon im Fahrstuhl kennt man Gesichter aus den Medien, im Saal dann eine schockierende Polit-, Promi- Präsenz, mein Herz bleibt fast stehen, Angela Merkel steht nur 5 Meter von mir entfernt und beugt sich zu Anette Schavan, um ihr noch schnell etwas zu sagen.  Die Sitzung beginnt mit einem Glockenklingeln. Gespräche könnten ja auch hinterher noch geführt werden, er könne ja verstehen, dass man sich bei drei Wochen Trennung vermisst habe, beginnt Volker Kauder die Sitzung. Es geht um Flugverbot, ja, oder nein, letzte Woche ist ein Vulkan ausgebrochen. Die Message ist eindeutig: Wenn der Minister sagt, es wird nicht geflogen, dann wird auch nicht geflogen. Und auch nichts anderes gegenüber der Presse behauptet. Das ist ein Seitenhieb auf anderweitige Aussagen von frustrierten sowie vielfliegenden Parteimitgliedern. Aus aktuellem Anlass wird die Afghanistan- Strategie besprochen, die Grundlage für Fraktionsdisziplin gelegt, nämlich Absprache. Es folgt eine Abstimmung  zur Vorsitzenden für die AG Rechtswesen, die Verkündigung der CDU- Haushaltsplanung. Das Wichtigste ist, dass die Parteispitze den Abgeordneten sagt, was in der kommenden Woche Priorität hat. Bei der vielen Terminen ist das gar nicht so leicht zu entscheiden. „Die Abstimmung zur neuen Kurzarbeitsregelung ist strittig. Bitte halten Sie sich in der Nähe auf.“  Die Fraktionsspitze hält die Partei wie eine Familie zusammen.
An den darauffolgenden Tagen kann ich beobachten, wie diese Zusammengehörigkeit unter Beweis gestellt wird. Ich besuche das Verteidigungsministerium, wo ich mit Thomas Kossendey einen Termin habe, bin Gast im Europaausschuss, schaue mir eine Bundespressekonferenz an und habe Karten für Plenarsitzungen, zweimal zwei Stunden, wie im Theater bestellen die Leute Eintrittskarten für die Debatten.
In unzähligen Treffen, Arbeitsgruppen und Ausschussdebatten, bringen die MdBs ihre Standpunkte zur Sprache und hören sich die anderen Positionen an. Der Plenarsaal im Bundestag wird für zwei Tage zur Bühne, wo die harte Vorarbeit präsentiert wird. Die Presse wartet mit Kameras vor den Eingängen und das Publikum bilden  politikinteressierte Bürger der Nation.

Und ich war Backstage. Für vier Wochen. Vielen Dank!