„Junge Botschafter in den USA“ – Das ist der Hintergrund des Parlamentarischen Patenschaftspogramm. Manch einer mag sich fragen, wie viel man überhaupt zu botschaften hat, schließlich erwartet man keine riesengroßen Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland. Bevor ich hier her kam, habe ich es jedenfalls nicht getan. Wie anders es letztendlich ist, nimmt man erst wahr, wenn man für ein Austauschjahr auf die andere Seite des Atlantiks fliegt. Gelandet bin ich in Fairfield, Pennsylvania. Der Ortskern an sich hat um die 500 Einwohner, sonderlich groß ist es also nicht. Trotzdem ist es spannender, als man vielleicht erwartet. Zum einen ist da die Schule, deren System ganz anders als das deutsche ist: Meine Schule orientiert sich an dem Blocksystem, das heißt, dass ich bis zum Halbjahr jeden Tag dieselben vier Fächer habe. Das Angebot hier ist viel breiter, zum Beispiel belege ich Psychologieunterricht und Rechnungswesen. Außerdem ist das Verhältnis zwischen den Lehrern und Schülern hier ganz anders. Insgesamt ist die Schule hier einfacher, weil man sich mündlich überhaupt nicht beteiligen muss, um gute Noten zu bekommen. Nachmittags hat man dann Sport. Ich hab im Herbst Cross Country gemacht (bei dieser Sportart läuft man querfeldein über Hügel und Rasen) und mache momentan Krafttraining, weil ich im Frühjahr Fußball spielen werde.
Auch das Familienleben hier ist definitiv eine neue Erfahrung für mich. Während ich in Deutschland nur zwei Schwester hatte, habe ich hier zwei Brüder (14 und 16 Jahre alt) und eine Schwester (18 Jahre), die aber schon aufs College geht. Wir haben zwei Hunde, eine Katze, zwei Schlangen und Fische. Sonntags gehen wir in eine presbyterianische Kirche, auch das ist anders als in Deutschland.Sogar die Aktivitäten, die man mit Freunden macht, sind anders. Entweder man guckt Filme, geht ins Kino oder shoppen. Es gibt hier riesige „Malls“, die dem Familacenter in Oldenburg oder der Waterfront in Bremen gleichen: Man kann dort Klamotten kaufen, essen, in Bücherläden stöbern und so weiter. Richtig viel gesehen habe ich bisher noch nicht. New York City war das Weiteste, das ich bisher gereist bin. Es war wirklich spannend, ich habe noch nie in meinem Leben so große Häuser gesehen! Aber es ist auch ziemlich teuer und die Abgase stinken, sodass ich ziemlich glücklich war, dass wir nur einen Tag dort verbracht haben. Der war es aber auch wert! Im Mai fahren wir noch einmal hin, dann sehen wir die Freiheitsstatue und Elli’s Island. Außerdem besichtige ich im Frühjahr Washington DC, wo im Juni auch mein Abschlussseminar stattfinden wird.Alles in Allem ist es
einfach super spannend hier. Ich bin froh, dass ich mit dem
Parlamentarischen Patenschaftsprogramm ein Jahr in den USA verbringen
und viele neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln kann. Mir gefällt die
amerikanische Kultur unheimlich gut und es macht Spaß, den Amerikanern
ein bisschen von Deutschland zu erzählen.
Sharon Lohse, Dezember 2010Nachricht vom 28. Januar 2011
Sehr geehrter Herr Kossendey,
nun bin ich schon ein halbes Jahr hier und dachte mir, dass ich mich wohl
mal wieder bei Ihnen melden könnte. Es geht mir hier immer besser, und
langsam gewöhne ich mich auch an das Leben mit zwei Brüdern. Das ist nämlich
ganz anders als mit meinen beiden Schwestern in Deutschland, jedoch wird es nie langweilig und ich bin dankbar für diese Erfahrung.
Gestern haben wir unsere Reportkarten bekommen und ich dachte mir, dass es Sie vielleicht interessiert, wie ich mich hier in der Schule mache. Ich finde, dass das Ergebnis ganz zufriedenstellend ist: Psychologie war mein schlechtestes Fach, da hatte ich 95 %, in Englisch 96 %, und in Rechnungswesen und Kunst je 98 %.Ansonsten kann ich eigentlich auch nur Positives berichten. Smokey, unser Hund, läuft nicht mehr vor mir weg, ich unternehme mehr und mehr mit meinen Freunden, und genieße die beiden Tage schulfrei, die wir gerade aufgrund des Schnees haben. Heute Nachmittag war ich mit einer Freundin "snowtuben" (ich weiß wirklich nicht, was die Übersetzung dafür ist). Kennen Sie diese Riesenrutschen im Schwimmbad, die man mit einem Reifen runterrutscht? Snowtuben ist im Prinzip das Gleich, nur eben im Schnee.Meine neuen Fächer, die ich seit letzter Woche habe, sind Französisch, Politik/Wirtschaft, Philosophie (das ist sogar ein Kurs am College: unsere Schule ist über einen Fernsehapparat und eine Kamera mit PennState verbunden, sodass wir den Professoren und die Klasse und die uns sehen können) und Sport/Gesundheit. Aus Französisch werde ich vermutlich herauswechseln, da ich die einzige im 4. Level bin und trotzdem ein bisschen unterfordert (in Deutschland hatte ich ja bereits 5 Jahre Französischunterricht).
Im Anhang schicke ich ein Bild von mir, dass eine Freundin von mir heute gemacht hat, als wir mit Smokey (den Hund, der nicht mehr vor mir wegläuft) spazieren gegangen sind. Ich mag das Bild sehr, einfach, weil ich glücklich aussehe. Und das bin ich ja auch. Viele liebe Grüße,Ihre Sharon