Thomas Kossendey

Der Mann, der Ihr Vertrauen verdient!

Thomas Kossendey
Oldenburgs Botschafterin in den USA


Ruth Gorman
 
Ein Jahr in den USA - das ist für viele deutsche Schülerinnen und Schüler ein Traum. Für Ruth Gorman wurde er Wirklichkeit: Sie hat das Schuljahr 2005/2006 in Georgia verbracht. Thomas Kossendey hatte die Oldenburgerin für das Stipendienprogramm PPP des Deutschen Bundestags ausgewählt. Die Monate in dem neuen Land waren aber nicht nur toll und wunderbar - wie alle Austauschschüler hat Ruth auch schwierige Phasen durchlebt. Lesen Sie hier ihre Berichte.






17. April 2005

"Endlich Nachricht aus Amerika! Es geht nach Georgia. In die Südstaaten, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber nach ersten Recherchen im Internet und in der Bücherei  gefällt mir die Vorsstellung. In dem Staat Georgia, der auch "The Empire of the South" genannt wird und aus dem der 1976 zum US-Präsidenten gewählte Jimmy Carter stammt, herrschen fast das ganze Jahr angenehm warme Temperaturen. Die Winter sind mild. Andererseits stürmen auch Hurricanes und heftige Regenfälle über das Land. Im Norden ragen die Appalachen in das Staatsgebiet und im Süden gibt es ein Sumpfgebiet. Die Hauptstadt ist Atlanta.

Meine Gastfamilie lebt in einem kleinen Ort namens Bonaire. Er liegt in der Mitte des Staates. Ich werde jeden Morgen in die am nächsten gelegene Stadt fahren, um dort zur Schule zu gehen. Die größte Stadt in meinem Umfeld mit ungefähr 118.000 Einwohnern ist 25 Meilen entfernt. Das wird alles ganz neu und ungewohnt sein, aber auch genauso spannend.

Jetzt weiß ich, wo ich mein Austauschjahr verbringen werden, und ich habe auch schon den ersten Kontakt zu meiner Familie aufgenommen. Ich habe drei Gastschwestern unterschiedlichen Alters. Meine Familie hat einen kleinen Hund, einen Chihauhua. Ich habe heute meinen Brief an meine zukünftige Familie verschickt und hoffe erwartungsvoll auf eine schnelle Antwort.

Gott sei Dank habe ich noch so viel zu erledigen, dass ich ganz abgelenkt werde von der Tatsache, dass ich schon Ende Juli meine Familie und meine Freunde verlasse. Zum Beispiel fahre ich Anfang Mai für eine Woche zu einem Vorbereitungsseminar in Bayern. Dort lernen wir etwas über Deutschland und Amerika und werden zusätzlich auch auf das Austauschjahr vorbereitet. Ende Mai muss ich zur Amerikansichen Botschaft in Berlin, um mein Visum zu beantragen. Außerdem muss ich mir auch neue Kleidung zulegen, da dort das Klima viel wärmer ist. Trotzdem, die Spannung steigt!"


30. Juli 2005

Nachricht von Ruths Familie: Ruth ist in Georgia angekommen, wenn auch nicht ganz ohne Komplikationen. Ihr erster Eindruck von der Gastfamilie ist sehr positiv.


14. September 2005

"Hallo,

ich hoffe euch allen geht es gut in Deutschland. Ich bin jetzt hier in Amerika für 7 Wochen und ich habe mich bis jetzt richtig gut eingelebt. Meine Familie ist wirklich nett, und mit meiner Gastschwester verstehe ich mich total gut. Sie geht mit mir zur Schule, allerdings ist sie ein Junior und ich ein Senior. Meine Fächer sind Am. Literatur, Am. History, Chemistry, P.E., French4 and Calculus. Schule ist wirklich nicht so schwierig hier, es sind nur viele Hausaufgaben, die man hier machen muss. Diese Woche werde ich dem Schwimmteam beitreten und dann auch noch vielleicht dem Frenchclub.

Es tut mir sehr leid, wenn ich viele Fehler mache, ich habe nämlich schon Probleme Deutsch zu sprechen. In meiner Schule ist ein anderer deutscher Austauschschüler, auch aus Niedersachsen, ein Mädchen aus Japan und ein Mädchen aus Korea. Das ist sehr interessant, Menschen von der ganzen Welt kennenzulernen. Diesen Freitag ist wieder ein Foootballgame, zu dem ich mit meiner Gastschwester und Freunden hingehe. Die Spiele sind immer sehr spassig und gut um neue Leute kennenzulernen.

Am Wochenende gehe ich dann mit meinem Manager und einem anderen PPP-Student nach Atlanta. Ich war schon in Atlanta mit meiner Französischklasse.Wir waren im Fox Theater, um das Phantom der Oper zu sehen. In meiner Stadt hier in Warner Robins gibt es ein deutsches Restaurant. Allerdings habe ich es noch nicht probiert. Ich glaube aber, es ist bayrisch. Meine Gastfamilie will mir ganz viel von den USA zeigen, solange ich hier bin. Ich bin schon ganz aufgeregt auf New York.

Viele Grüße aus den USA von
Ruth"


18. Dezember 2005

"Ich bin hier schon mehr als vier Monate und habe mich richtig gut eingelebt. Die Schule läuft gut. Ist leider ein bisschen zu einfach. Ich bin jetzt auch im Schwimmteam, was richtig viel Spaß macht, da wir fast jede Woche zu einem Schwimmwettbewerb außerhalb der Stadt fahren. So bekommt man die Gelegenheit, auch andere Städte innerhalb Georgias zu sehen und macht neue Bekanntschaften und neue Freunde innerhalb des Teams.

Über die Thanksgivingswoche sind meine Gastfamilie, die beste Freundin meiner Gastschwester und ich dann auch nach Florida gefahren. Nach Orlando, was sehr viel Spaß gemacht hat. Wir haben Disney World besucht (haben Mickey aber leider nicht getroffen), und am nachsten Tag sind wir zu Sky Venture gegangen (es gibt davon nur drei auf der ganzen Welt). Es ist eine Art Animation für Fallschirmspringer zum Üben, und ich habe das dort auch gemacht.

Jetzt sind Weihnachtsferien nach einer letzten anstrengenden Woche mit dreistündigen Endprüfungen in jedem Fach. Die waren aber nicht ganz so schwer, weil die Lehrer teilweise den Schülern die Lösungen gesagt haben, damit die Klasse nicht durchfällt. Nächsten Sonntag (einen Tag später als in Deutschland) ist hier dann Weihnachten, und das wird mit meiner Familie hier ein richtig großes Familienfest, wo alle Verwandten in unser Haus kommen. Dann wird ganz viel Turkey gegessen, zur Kirche gegangen und Football geguckt. Heute gehe ich zu meiner Freundin aus Sudkorea, die auch in meinem Austauschprogramm mitmacht, da sie eine Weihnachtsparty feiert.

Das wars auch erst mal wieder. Schöne Weihnachten wünsche ich euch daheim in Deutschland und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Eure Ruth"


27. Dezember 2005

E-Mail von Ruths Mutter: Ruth hat am zweiten Weihnachtstag ihre Familie verlassen, mitten in der Nacht musste sie ihre Koffer packen. Offenbar hatten sich viele Konflikte aufgestaut, über die Ruth in ihren Berichten zunächst nichts schreiben wollte. Mehr als zwei Wochen lang ist völlig unklar, wie es weitergeht - wegen der Weihnachtsferien kann so schnell keine neue Familie organisiert werden. Als die Schule wieder anfängt, kann Ruth ihre Freunde in der Schule ansprechen und findet so eine neue Bleibe in der Familie einer Freundin.


22. Februar 2006

Ein langer Bericht von Ruth trifft ein. Ihr geht es gut; mittlerweile kann sie in Ruhe darüber schreiben, warum es mit der ersten Gastfamilie nicht geklappt hat:


"Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich über Weihnachten meine Gastfamilie gewechselt habe. Nach ganzen fünf Monaten, die ich mit meiner ersten Familie verbracht habe, habe ich eingesehen, dass ich es nicht noch ungefähr sechs weitere Monate aushalten kann und will.

Aus verschiedenen Gründen: Naturlich war es nicht durchgehend schrecklich. Ich hatte auch ein paar schöne Erlebnisse, aber die waren in der Minderheit. Dazu habe nich mich dann auch noch sehr gut mit meiner Gastschwester Leah ,16,und ihrer besten Freundin Catherin verstanden. Ehrlich gesagt war sie die einzige, die wir zu Hause besuchen konnten. Bei ihr haben sich dann auch immer noch weitere Freunde getroffen. Wir haben zusammen Karten gespielt und Südstaaten-Essen (cornbread, colored greens and black eyed peas) gegessen. Das war immer sehr interressant.
Doch dann musste sie umziehen, kurz vor den Weihnachtsferien, weil ihr Vater bei der Armee ist, nach Washington D.C..

Und Leah und ich konnten nirgendwo mehr hingehen, weil ihre Mutter überbeschützerisch ist. Meine kleine Gastschwester durfte noch nicht mal alleine den Hund im Garten ausführen oder im Garten spielen. Und dabei ist sie schon zehn, und wir lebten in einer sehr guten Nachbarschaft, ganz ungefahrlich.

Ich wollte manchmal joggen gehen ,weil meine Familie sehr, sehr ungesund gegessen hat. Die waren auch alle sehr, sehr sehr übergewichtig. Aber das durfte ich nicht. Außerdem wollte sie, dass ich in ganz viele Clubs eintrete, um Freunde kennen zu lernen, aber dann hatte sie keine Zeit dafür und ich musste wieder austreten. Sie hatte nie Zeit und hat immer falsche Versprechen gemacht. Sie hatte immer ganz viele chores (Hausarbeiten) für uns, sogar um 1 Uhr in der Nacht. Und sie meinte immer, wenn ihr das erledigt, könnt ihr Samstag zum football game gehen. Aber dann hat sie das auch nie eingehalten.

Also bestand mein Tag darin, zu Hause rumzusitzen, im Haus mitzuhelfen und Heimweh zu kriegen. Ich glaube ernsthaft, dass sie nicht wollte, dass wir andere Kontakte haben. Meine 10-jährige kleine Gastschwester war immer zuhause, auch noch homeschooled, ohne Freunde zum Spielen. In den fünf Monaten, in denen ich da war, kam nie ein Kind zum Spielen, und sie ist nie zu jemand anderes zum Spielen gegangen. Sie hat die ganze Zeit im Haus geholfen.

Meine Familie war auch sehr religiös, sogar fur amerikanische Verhältnisse. Meine Gasteltern waren beide sehr krank. Meine Gastmutter hat Lupus und mein Gastvater Leukämie. Sie waren beide beinahe gestorben und schwer krank, und dass sie das überlebt haben, hat sie nur noch mehr in ihrer Religion und ihrer Freundschaft zu Gott bestärkt. Jedes Wort, das aus ihrem Mund kam, war über Gott, Jesus und ihre Freundschaft zu ihnen. Morgens, wenn ich aufgestanden bin, war der Fernseher an und ein Priester hat gebetet. Dann im Auto auf dem Weg zur Schule wurde für Sicherheit gebetet, aber keiner außer mir hatte den Sicherheitsgurt an.

Im Auto haben wir auch nie Radio gehort, von dieser Musik hätten Leah und ich nämlich schwanger werden können. Nein, wir haben Gospel gehört, und wenn nicht, dann war eine Kassette mit Gebeten an, oder sie hat Gospelsongs gesungen. Jedes Gespräch hat mit einer Erklärung über Religion und Gott geendet. Ich habe zum Beispiel gesagt, dass ich heute guter Laune bin. Darauf hat sie geantwortet ,ja, sie auch, weil sie übers Wochenende Gott naher gekommen ist.

Sie hat mich auch in vielen Sachen eingeschränkt. Zum Beispiel, als ich Harry Potter lesen wollte. Dann sollten wir auch drei Mal in der Woche zur Kirche gehen, die eine Stunde entfernt ist, in einer ganz anderen Stadt. Das hat aber Gott sei dank nicht immer geklappt.
Als ich dann letztendlich mal wieder versucht habe, mit ihr zu reden, dass ich so gerne meine Freunde von der Schule sehen mochte und dass ich Heimweh kriege, wenn ich immer nur zuhause bin und sie nichts unternehmen,ist sie vollkommen durchgedreht. Sie meinte, sie könnte es nicht mehr aushalten, sie wolle nie mehr eine Austauschschülerin aufnehmen. Sie hat mir erzählt, dass ich doch allen das Herz gebrochen hätte. Und dann hat sie mich noch mitten in der Nacht meine Koffer packen lassen, obwohl sie noch mit niemandem telefoniert hatte und es gar keine neue Familie für mich gab.

Das war ein großes Drama und eine schreckliche Zeit, weil ich von einer Übergangsfamilie zur anderen wechseln musste. Ich wusste noch nicht einmal, ob ich an meiner Schule bleiben konnte. Ich habe dann aber schließlich bei einer Freundin einziehen können und bin dort jetzt sehr glücklich.

Abschließend kann ich nur allen sagen, die einen Austausch machen wollen, dass sie das auf jeden Fall tun sollten. Es ist eine tolle Erfahrung, und wenn die Familie nicht dafür geeignet ist, solltet Ihr nicht so lange zögern wie ich, sondern auf jeden Fall wechseln. Wenn nicht, werdet Ihr es hinterher bereuen.

Das wars erstmal von den neusten Neuigkeiten aus Amerika und von mir.
Bye, Eure Ruth"


19. Juli 2006

Hey y'all...
Jetzt bin ich wieder hier seit ungefähr drei Wochen und habe mich schon wieder richtig eingelebt hier in Deutschland:)

Mein Austauschjahr war alles in alllem "great" mit ein paar Holpern.Wie gesagt musste ich nach fünf Monaten meine Familie wechseln, weil ich es in der ersten nicht mehr ausgehalten hatte. Sie waren zwar lieb, aber viel zu konservativ, überbeschützerisch und religiös fanatisch - sogar für Südstaaten-Verhältnisse. Denn drei mal die Woche zur Kirche gehen wollte ich nun wirklich nicht, ganz abgesehen davon, dass das zeitlich bei denen gar nicht gepasst hat.

Auf jeden Fall konnte ich dann auch nicht mit meiner Betreuerin Mrs. Mary leben, da die schon zwei Austauschschüler bei sich hatte, für die sie keine Familie gefunden hatte. Es sah also schlecht aus für mich. Mir wurde gesagt, dass ich irgendwo nach Texas oder Michigan kommen könnte. In den Weihnachsferien habe ich dann vorübergehend auf einer Lamafarm gelebt. Das war sehr interessant!

Dann, nach den Ferien konnte ich bei meiner Freundin von der Schule Lauren einziehen. Das war am Anfang toll, weil ich an meiner Schule und in meiner Stadt bleiben konnte. Alles in allem habe ich dieser zweiten Hälfte meines Austauschjahres viel mehr Spaß gehabt. Ich hatte viel mehr Freunde und auch Freude daran, in Amerika zu sein. Ich war offener für die Kultur und zu den Menschen in Amerika. Ich habe nicht mehr Deutschland als Maßstab angesehen, in dem alles besser ist.

Warner Robins ist wirklich nicht die interessanteste Stadt, die man in Amerika besuchen sollte, aber Georgia ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Vor allem die Leute mit  ihrer "Southern Hospitality" vermisse ich sehr. Trotzdem bin ich während meines Jahres auch mal in eine andere Stadt wie Atlanta gekommen, wo ich im größten Aquarium der Welt und im Cola-Museum war. Den Gouverneur haben wir auch besucht. In Orlando war ich auch. Und in Savannah, Georgia, und in Panama City in Florida. Und überall war es toll und interessant.

Am Ende des Programms haben wir uns dann mit den anderen Austauschschülern aus Deutschland und Amerika in Washington,D.C., getroffen. Das war sehr interessant, weil wir beide Sprachen gesprochen und ganz viele Sehenswürdigkeiten besichtigt und dann auch noch unsere amerikanischen Repräsentanten getroffen haben.

Alles in allem hat das Jahr also sehr viel für mich gebracht, hat mich auf menschlicher Ebene weitergebracht, mir mehr Interesse an anderen Leuten, an den USA und Politik gebracht und auch mehr Feingefühl. Deswegen möchte ich mich mit vollem Herzen bei Herrn Kossendey und dem Bundestag bedanken, dass sie mir eine solche Erfahrung ermöglicht haben. Gleichzeitig möchte ich dem oder der nächsten Austauschschülerin viel Glück wünschen. Dieses Programm ist wunderbar und sollte auf jeden Fall weitergeführt werden.

Mit vielen Grüßen
Eure Ruthie