Den Spionen auf der Spur
Wenn Sie einer etwas ungewöhnlicheren Entdeckungsreise in Berlin nicht abgeneigt sind, kann ich Ihnen einen Ausflug auf den Teufelsberg mitten im Grunewald nur ans Herz legen.

Am Besten verlassen Sie die Berliner Innenstadt mit der S7 bis Haltestelle Grunewald. Am Bahnhof angekommen nehmen sie den linken Ausgang und folgen der Eichkampstraße nach Nordwesten Richtung Grunewald. Von hier nehmen Sie Kurs auf den Teufelsberg und folgen dazu am Besten dem Dauerwaldweg oder Neuer Schildhornweg.Nicht sehr weit weg vom Hauptstadttrubel können Sie hier nun den bekannten Grunewald genießen. Lassen Sie sich nicht von der fehlenden Beschilderung oder den teilweise eher zu einer Art Trampelpfad anmutenden Wegen verunsichern.Der Teufelsseechaussee folgen Sie einfach solange bis Sie den Parkplatz am Ende der Straße erblicken. Kurz bevor sie jedoch den Parkplatz erreichen, biegen Sie rechts ab. Von nun an geht es stetig bergauf auf den eigentlichen Teufelsberg, unser Ausflugsziel.
Der Teufelsberg selber hat eine unglaubliche Geschichte. Er hat keinen natürlichen Ursprung, sondern entstand durch die systematische Anschüttung von ca. 25 m³ Trümmerschutt aus dem 2. Weltkrieg. Neben dem Schutt von etwa einem Drittel der zerbombten Häuser der Berliner Innenstadt, befindet sich hier, direkt unter ihren Füßen, Schutt stammend aus der „Wehrtechnischen Fakultät", die die Nationalsozialisten hier im Zuge der Errichtung der "Welthauptstadt Germania" errichten ließen. Diese wurde allerdings Ende des 2. Weltkriegs und noch vor der Fertigstellung wieder gesprengt. Als die Schuttaufschüttung dann Anfang der 70er Jahre abgeschlossen war, wurden hier rund 1 Millionen Bäume gepflanzt und Sand und Erde angeschüttet.Die Entstehung des Berges, dessen Name sich übrigens vom Teufelssee der ganz in der Nähe liegt ableitet, ist aber nur ein Aspekt in der bemerkenswerten Geschichte des Berges.Ein weiterer Bestandteil dieser Geschichte steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem ungewöhnlichen Gebäude auf der Spitze des Teufelsberges: Die ehemalige Abhörstation der U.S National Security Agency (NSA) aus der Zeit des Kalten Krieges. Sie ist unschwer an den fünf markanten weißen Radarkuppeln zu erkennen und wenn man nur nah genug dran ist, hört man das mittlerweile recht heruntergekommene Gebäude im Wind klappern und knarzen, was für eine unheimliche Atmosphäre sorgt.Das ist umso authentischer wenn man bedenkt, dass von hier bis Ende des Kalten Krieges der Funkverkehr der Ostblockländer und die Luftraumkorridore zur BRD systematisch abgehört wurde. Obwohl die Amerikaner natürlich nach Ende des Krieges die Abhöranlagen mitsamt Antennen abbauten, wurde die Anlage noch bis 1999 zur Überwachung des zivilen Luftverkehrs weiterbenutzt. Seitdem steht der Gebäudekomplex leer, diente aber schon mehrfach als einmalige Filmkulisse (z.B. Die Spieler (2007)) und Ausrichtungs- und Entstehungsort für andere kulturelle Zwecke und Einrichtungen wie das Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin.
Von hier oben haben Sie eine wunderschöne Aussicht über das Naturschutzgebiet Grunewald. Außerdem können Sie die steile Wiese und Hänge an der Nordseite der Anlage sehen, die bis vor kurzem im Winter noch als Ski- und Rodelpiste genutzt wurde und auf der 1986 sogar ein Weltcup-Slalom stattfand. Ein kleiner Tipp von mir: Wenn Sie die ehemalige Abhöranlage besichtigen möchten, so gibt es auf dem sonst offiziell abgesperrten Gelände der Abhöranlage seit September 2011 Führungen mit spannenden Hintergrundinformationen zur Arbeitsweise der Spione. Die 2-stündigen Führungen finden Sa, So, Mo um jeweils 14 Uhr statt und kosten 15,00 Euro (erm. € 6,00). Weitere Informationen über die Führungen gehen Sie auf: www.BerlinSightOut.de. Wenn Ihnen dann am Ende dieses ausgiebigen Spaziergangs nach einer kleinen Stärkung und Pause zumute ist, so finden Sie auf Ihrem Rückweg, auf der Vorderseite des S-Bahnhofs Grunewald gemütlich eingerichtete Cafés. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen auf der Entdeckungstour und bitte vergessen Sie nicht Ihren Stadplan !