Im vergangenen Jahr brauchte man zu dieser Jahreszeit nicht nur winterfeste Kleidung, wenn man sich in der Hauptstadt bewegen wollte, sondern möglichst auch noch Spikes unter den Schuhen: die Schneemassen auf den Gehwegen und Plätzen waren zu einer zentimeterdicken Eisschicht geworden, die eigentlich nur für die Kinder ein echtes Rutschvergnügen war. Bei Sonnenschein hat sich Berlin unter den Schneemassen allerdings als echtes Winterwunderland präsentiert, und mit entsprechendem Schuhwerk zu gemächlichen Spaziergängen in den zahlreichen Parks der Stadt eingeladen.
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Jüdische Gräber werden nicht wieder belegt, weswegen viele der sehr alten Grabmale umgestürzt oder teilweise witterungsbedingt zerstört sind.
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Ein etwas besonderes Ausflugsziel möchte ich Ihnen heute für Ihren Winterspaziergang vorschlagen: den Jüdischen Friedhof Weißensee.
Dieser Friedhof am Markus-Reich-Platz ist der größte jüdische Friedhof Europas und wird noch immer belegt. Die frühesten Grabstätten sind von 1880. Im Sommer ist dies eine der grünen Oasen der Großstadt, jetzt im Winter ist es hier wunderbar still und bietet neben der Erholung vom lebhaften Treiben auf den Straßen auch historisch und künstlerisch Interessantes. Grabmalkunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert können Sie hier bewundern, vom Klassizismus bis zur neuen Sachlichkeit sind alle Epochen der bildenden Kunst vertreten.
Unter den Gedenksteinen und –tafeln, die an das grausame Schicksal jüdischer Menschen in der NS-Zeit erinnern, befinden sich auch bekannte Namen. Im Feld T2 mit der Grabnummer 29115 finden Sie die Doppelgrabstätte von Alex und Doris Tucholsky, den Eltern von Kurt Tucholsky. Während der Vater früh verschied und auf dem Jüdischen Friedhof bestattet wurde, wurde die Mutter von den Nazis nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 starb. Ihre eigentliche Grabstätte ist unbekannt, deswegen erinnert neben dem Grab ihres Mannes lediglich eine Gedenktafel an die Mutter des Schriftstellers.
Ebenfalls nur eine Gedenktafel erinnert an die Schriftstellerin Else Ury, deren „Nesthäkchen“-Bücher in den 1920 und 1930 Jahren echte Bestseller waren. Die Tochter eines jüdischen Fabrikanten wurde 1943 nach Auschwitz deportiert, und dort laut Lagerakten am 13. Januar getötet. Die Inschrift auf dem Grabsockel ihrer Eltern, die ihre Angehörigen anbringen ließen, erinnert an das traurige Schicksal der erfolgreichen Schriftstellerin, deren Glauben in ihren Büchern niemals eine Rolle gespielt hatte. Das Grab der Familie Ury befindet sich im Feld P2, Reihe 18, Grabnummer 102920. Es ist vom Weg aus allerdings nicht zu sehen, jedoch vom Herumlaufen zwischen den teilweise umgestürzten Grabmalen möchte ich Ihnen dringend abraten.
Der Eingang zum Jüdischen Friedhof befindet sich am Ende der Herbert-Baum-Straße, einer Querstraße der Berliner Allee. Die nächstgelegene S-Bahn-Haltestelle ist „Greifswalder Straße“. Bitte beachten Sie, dass der Friedhof an Samstagen und an allen jüdischen Feiertagen geschlossen bleibt!
Und nun möchte ich Sie auch noch auf die Grabstätten zweier in Oldenburg geborener Frauen aufmerksam machen, die es aus unterschiedlichen Gründen zu großer Berühmtheit gebracht haben und die beide in Berlin beerdigt wurden.
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Das Grab von Ulrike Meinof habe ich extra so für Sie fotografiert, dass Sie es leicht finden können.
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Die 1848 in Oldenburg geborene Pädagogin und Frauenrechtlerin Helene Lange starb 1930 in Berlin. Ihr Grab liegt im Feld 5-A-1 des Waldfriedhofs Heerstraße. Dieser befindet sich im Berliner Ortsteil Westend und gilt als Prominenten-Friedhof. Er liegt direkt neben dem Olympiastadion und Sie erreichen ihn am besten über die S- und U-Bahnhaltestellen „Olympiastadion“.
Die RAF-Terroristin Ulrike Meinof wurde 1934 in Oldenburg geboren und nahm sich 1976 das Leben. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof der Dreifaltigkeitsgemeinde (Feld A-12-19, gleich hinter dem Tor links und dann nach circa 30 Metern rechts, unter einer Birke) in der Eisenacher Straße in Berlin-Mariendorf. Bitte achten Sie darauf, nicht versehentlich auf dem Friedhof "Heilig Kreuz" gleich nebenan zu suchen! Die Torbögen sind deutlich beschriftet. Die nächstgelegene U-Bahnhaltestelle ist „Westphalweg“.