Thomas Kossendey

Der Mann, der Ihr Vertrauen verdient!

Thomas Kossendey
Berlinbummel - Teil 33: Die East-Side-Gallery

28.02.2010

Berlin - das ist nicht nur der Sitz des Deutschen Bundestags. Die Stadt bietet eine unüberschaubare Vielfalt an Sehenswürdigkeiten und historischen Gebäuden, Museen, Theatern, Restaurants und Geschäften. Bummeln Sie mit Thomas Kossendey durch die Hauptstadt! Der 33. Teil unserer Bummel-Tour ist gerade frisch renoviert worden: Die East-Side-Gallery.

 

Nun ist der Schnee getaut und ich kann Sie guten Gewissens wieder zu einem Besuch der East Side Gallery einladen. Hier, zwischen Spree und der Veranstaltungsarena „O2-World“, befindet sich die längste Open-Air-Galerie der Welt. Leider waren die „ausgestellten“ Kunstwerke arg angegriffen, weswegen ich Ihnen auch jetzt erst den Besuch empfehle. Denn die Gemälde wurden im vergangenen Sommer vollständig restauriert.

 eastsidegallery1 
Bei gutem Wetter erfreut sich die
East Side Gallery großer Beliebtheit.
 
Wenn Sie vom S-Bahnhof Oberbaumbrücke Richtung Ost-Bahnhof gehen, kommen Sie an einem etwa 1,6 Kilometer langen Streifen Original-Mauer vorbei. Diese Betonstücke sind im Frühjahr 1990 von 118 Künstlern aus 21 Ländern gestaltet worden. Die politischen Veränderungen der Wendezeit sind hier in großen Gemälden kommentiert. 
Durch Witterungseinflüsse und Graffiti sind die berühmten Gemälde sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Deswegen hat eine Künstlerinitiative im Jahre 2000 die teilweise Sanierung der Werke veranlasst. Seit Oktober 2008 lief eine weitere, sehr umfangreiche Aufarbeitung. Im November 2009 wurde die East Side Gallery dann ganz offiziell wiedereröffnet.
Die Künstler haben nur die Ostseite der Mauerreste bemalt. Auf der Westseite befinden sich heute Grünanlagen mit einigen Cafés, im Sommer auch Strandbars und natürlich auch Souvenirständen. Die eigentliche Grenze war an dieser Stelle die Spree, die Sie - wenn Sie möchten – im Sommer vom Liegestuhl aus, zum Beispiel in der Bar „Strandgut“, beobachten können, wenn Sie die Kunstwerke der East Side Gallery abgelaufen sind. Gerade zu dieser Jahreszeit kann ich eine solche Pause aber nicht empfehlen.


eastsidegallery2  
Alle Gemälde thematisieren den
politischen Umbruch der Wende und
die Folgen von Gewaltherrschaft.
 
Gehen Sie trotzdem einmal ans Spreeufer: Von hier aus haben Sie auch einen wunderbaren Blick in Richtung Oberbaumbrücke. Diese siebenbogige Steinbrücke verbindet die Ortsteile Kreuzberg und Friedrichshain. Seit 1998 ist die Oberbaumbrücke traditionell einmal im Jahr Schauplatz der so genannten Gemüseschlacht zwischen Friedrichshainern und Kreuzbergern, in der um die Vorherrschaft zwischen den beiden mittlerweile fusionierten Bezirken volksfestartig gestritten wird. Als „Geschoss“ erlaubt ist dabei alles, was matschig ist, glibbert, wabbelt und stinkt. Friedrichshain und Kreuzberg sehen dabei den jeweils anderen Stadtteil als abtrünnig an und bezichtigen sich gegenseitig, von dem anderen Bezirk völkerrechtswidrig abgespalten oder okkupiert worden zu sein. Friedrichshain bezeichnet Kreuzberg dabei als „Unterfriedrichshain“, Kreuzberg nennt Friedrichshain „Ostkreuzberg“. Erklärtes Ziel dieser offiziell angemeldeten Spaßveranstaltung ist es daher immer, die Einheit der beiden Stadtteile – selbstverständlich unter eigener Führung – wiederherzustellen.